Briards de l'oreille noire

Französische Hütehunde aus Hannover

Der Briard zwischen gestern und morgen

Der Briard in Deutschland

Seit langem gibt es Briards in Deutschland, aber bis 1975 nur vereinzelte Liebhaber dieser Rasse. 1975 fand dann die Gründungsversammlung des „Deutschen Briard-Clubs“ statt und ein Jahr später wurde der Vereinsnamen geändert in „Club für französische Hirtenhunde e.V.“, so wie er heute noch besteht. Alle 3 Rassen, also Briard, Beauceron und Picard, werden von ihm betreut. Jahre später entstand hieraus ein zweiter Club, der „Briard Club Deutschland e.V.“. Bis heute wurden über 4.000 Hunde in das Zuchtbuch des CFH eingetragen. Der Briard erfreut sich immer größerer Beliebtheit, aber es konnte bisher Gott sei Dank vermieden werden, dass er zu einem Modehunde hochgejubelt wurde.


Die Lebenserwartung des Briards

Der Briard gehört zu einer gesunden und robusten Rasse. Seine Lebenserwartung liegt im Durchschnitt bei ungefähr 10 Jahren. Typische Krankheiten sind nicht bekannt. Die Hüftdysplasie hat man durch strenge Zuchtauflagen gut im Griff und so kommt es doch selten vor, dass ein Briard so schwere HD hat, das er operiert oder sogar eingeschläfert werden muss, wie das von einigen anderen Rassen immer wieder zu hören ist. Für den Magendreher sind vor allem grosse Hunderassen leider manchmal auch Kandidaten. Auch wieder nicht rassetypisch, trifft es aber hin und wieder doch einen Briard.


Das Wesen des Briard

Man sagt immer, der Briard ist ein „Herz mit Haaren drum herum“. Das beschreibt allerdings den „gut erzogenen“ Briard ziemlich genau und deshalb haben wir uns in diese Rasse verliebt. Als Hirtenhund hütete er früher die Schafe. War die Herde in Bewegung, lief der Hund herum und hielt sie zusammen. War die Herde ruhig, suchte er sich ein Plätzchen und schlief.

Heutzutage ist es die Familie, die er behütet. Wenn er als Familienhund leben darf, baut er eine gute Beziehung zu ihnen auf. Er wird von sich aus auf „seine Leute“ achten und immer um sie herum sein. Grund genug, warum sich der Briard nicht als Ketten- und Hofhund eignet. Er hat noch einige ganz besondere Eigenschaften, die ich hier aufzählen möchte: temperamentvoll, wachsam, misstrauisch gegenüber Fremden, arbeitsfreudig auf dem Hundeplatz, ob das Breitensport oder Rettungshundearbeit ist. Er eignet sich auch zum Schutzhund. Verspielt – untereinander und mit Menschen und keine Kläffer. Einen Jagdtrieb hat er nicht (Ausnahmen bestätigen die Regel), auch wenn er gerne mal einem Vogel oder Hasen nachrennt.

Aggressionen sind nicht erwünscht, denn als Familienhund wünscht man sich ja einen zwar wachsamen aber nicht unbedingt scharfen Hund. Aber das allein ist nicht nur der guten Herkunft sondern auch einer konsequenten Erziehung zu verdanken. Bei regelmässigen Besuchen auf dem Hundeplatz und den Arbeitstagen, die der Club anbietet, lernt man, die Hunde richtig zu erziehen und sie somit zu umgänglichen Hunden zu machen, die einen jederzeit überall hin begleiten können. Mit der richtigen Mischung aus Konsequenz und Liebe bekommt man einen treuen Gefährten, auf den man sich verlassen kann.

Die Geschichte des Briard

Die Geschichte des Berger de Brie ist tief eingebettet in die Historie des Schäferhundes schlechthin. Die Bezeichnungen Hirten-, Hüte-, Herden-, Treiberhunde werden wechselweise gebraucht und bezeichnen nicht immer streng differenziert seinen jeweiligen Gebrauch. Sie lassen aber gleichzeitig die Vielfalt erkennen, die den Dienst des Hundes kennzeichnet.

Viele kynologische Forscher sind sich darin einig, dass der Hund des Hirten zunächst nur die Aufgaben hatte, Hirt und Herde vor Raubtieren wie Bär, Wolf, Luchs und Fuchs, sowie vor herumstreunendem Volk, vor Räubern oder missgünstigen Nachbarn zu schützen. Erst mit zunehmender Landaufteilung – in Frankreich etwa nach der Französischen Revolution – verlagerte sich die Aufgabenstellung vom reinen Schutz- und Wachdienst zur Hütefunktion. Der Hund sollte das Ausbrechen der Herde in fremdes Gelände verhindern, um den damit verbundenen Flurschaden vermeiden helfen. Darüber hinaus hatte er in schwierigem und gefährlichem Gelände (Hochgebirge, Felsenlandschaft, Schluchten, Moore usw.) das Zusammenbleiben der Herde zu gewährleisten. Diese neugestellten Aufgaben brachten auch Änderungen des Hundetyps mit sich. Es kam zu Kreuzungen und Züchtungen vorwiegend leichterer Hunderassen durch die Schäfer. Die Variationsbreite der heute bekannten Schäferhund-Rassen und -Typen hat zweifellos ihren Grund in diesem Wandlungsprozeß. Interessant erscheint aber die Beobachtung, dass es noch in vielen Großregionen neben den kleineren Hütehunden die größeren Schutzhunde gibt, die dem Hirten mit verschiedener Aufgabenstellung zur Seite sind (Frankreich Pyrenäenschäferhund neben Pyrenäenberghund; Ungarn Puli neben Kommondor). Das war vor allem in besonders gefährdeten Gebieten der Fall und hat sich bis in unsere Tage erhalten.

Von mehreren Fachleuten wird auch auf die interessante Tatsache hingewiesen, dass Hirtenhunde aus aller Welt ein hohes Maß an Gemeinsamkeit haben, sowohl in Bezug auf das Erscheinungsbild wie in Bezug auf Wesen und Verhalten. So ist m.W. in unserem Klimakreis kaum ein glatthaariger Hütehund zu finden. Das Fell variiert vom Rauh- und Stockhaar bis zum starken Behang, etwa des Kommondors oder des Puli. Etwa in der Mitte dieser Spanne finden wir den langhaarigen Briard, dessen Behang aber ebenfalls Varianten nach der einen oder anderen Seite aufweist. Natürlich wird er in der Vergangenheit kaum mit dem sorgsam gepflegtem Behang eines heutigen Ausstellungs- und Begleithundes konkurrenzfähig gewesen sein. Denn er war durch und durch Arbeitshund, der viele Strapazen zu durchstehen hatte, die nicht eben „fellfreundlich“ waren.

Die vom Hund geforderten Eigenschaften waren vorwiegend: Ausdauer, Wetterfestigkeit, Bedürfnislosigkeit, Herdentreue, Aufmerksamkeit, Wachsamkeit und Mißtrauen gegenüber allem Fremden und dem normalen Tagesablauf Zuwiderlaufendem. Die vielen Hirtenhunden gemeinsame Eigenschaft des Umkreisens weist in die Jahrhunderte des Hütedasein zurück. Sie gewährt dem aufmerksamen Beobachter die aufregende Möglichkeit, eine Wesensprägung zu erleben, die sich durch Gebrauch und Zuchtwahl über große Zeiträume hinweg genetisch fixiert und erhalten hat. An diesen Zuchtergebnissen haben die Hirten vergangener Tage großen Anteil. Sie machten sich wohl die Eigenschaft der die Gehöfte und Siedlung umkreisenden Hunde zu eigen, indem sie sich bei der Einkreuzung solcher Hunde bedienten. Die Schulung durch den Schäfer vertiefte die Prägung.

Prof. Dr. Konrad Senglaub vertritt die Ansicht, dass diese speziellen Eigenschaften des Hütehundes nur durch züchterische und hundehalterische Bemühungen bewahrt werden können. In freier Wildbahn würde diese Eigenschaften bald verloren gehen. Das dürfte aber mit der Zeit auch für die Stadt-Haltung von Hunden zutreffen. Lassen wir uns also nach Möglichkeit auf unseren Spaziergängen weiterhin fröhlich umkreisen, indem wir uns als Schafherde fühlen.

Über den Ursprung der Hirtenhundrassen gibt es eine Fülle von Theorien und Hypothesen, die aber alles in alles deutlich machen, wie sehr kynologische Forschung teilweise noch im Dunkeln tappt. So wollen einige Forscher in dem Hirtenhund einen Nachfahren des sogenannten Bronze-Hundes sehen, was durch den Vergleich ausgegrabener Schädel bekräftigt sei. Wer sich auf kynologische Forschungsreise begibt, muss des öfteren die enttäuschende Entdeckung machen, dass alte überlieferte Rassenbezeichnungen, die auch heute noch gängig sind, keine Gewähr für die Identität der damit bezeichneten Rasse von einst und jetzt bietet. Die Kunst bietet mit Hundedarstellungen auf Gemälden, Wandteppichen und Kirchenfenstern, mit Plastiken, Buchmalerei und anderen Wiedergaben ein reichhaltiges Feld für Mutmaßungen und Vergleiche. Doch handelt es sich dabei um ein Informationsmaterial, das jedenfalls kritisch gesichtet und behutsam gedeutet werden sollte.

Natürlich heften sich an solche Darstellungen auch Geschichten und Geschichtchen, die aufregendes oder rührendes über den dargestellten Hund zu berichten wissen, aber meistens ins Reich der Legende führen. So soll Alberich von Montdidier im 12. Jahrhundert zu Ehren eines Briards eine Kathedrale errichtet haben. Dieser Hund habe seinem Sohn das Leben gerettet. Sogar Karl der Große soll schon Briard-Besitzer gewesen sein. Für diese Behauptung werden alte Gobelins herangezogen. Wen wundert es, dass tausend Jahre später auch Napoleon selbstverständlich Briards sein Eigen genannt haben soll. Es ist ebenso amüsant wie liebenswert, Alter und Bedeutung der geliebten Hunderasse auf diese Weise bewiesen zu sehen. Und es ist nur zu verständlich, dass diese Liebe dabei gegenüber anderen Rasseliebhabern in den Triumph ausbricht: „Mein Hund ist älter und bedeutender als deiner!“ Aber wie gesagt: In nur wenigen Fällen sind solche Berichte und Deutungen verbürgt und als Historie anzubieten. Schon gar nicht bei den Schäferhundrassen, die niemals im Glanz des herrschenden Adels gestanden haben, wie Jagd- und Hetzhunde.

Der Name „Berger de Brie“ wird erstmals im Jahr 1809 erwähnt, und zwar durch Abbe Rozier, der in seinem „Cours d´Agriculteur“ unter anderen Hunderassen auch den Briard benennt. Man muß aber wissen, dass er damit alle Hirtenhunde der Ebene bezeichnete, im Gegensatz zum Chien de Loup (Wolfshund), der als der „Matin“ des Mittelalters bekannt ist. Hinzu kommt, dass der Name „de Brie“ das Vorkommen dieses Hundes keineswegs auf die genannte Landschaft beschränkt, ja, dass er dort nicht einmal häufig anzutreffen gewesen sei. Für genauere Auskunft reichen aber solche Angaben nicht aus. Die Geschichte einer Rasse ist nur so weit präzise zurückzuverfolgen, wie es ernsthafte Zuchtbuchführung oder andere entsprechende Registrierung ermöglicht.

In dieser Hinsicht ist den Engländern viel zu verdanken. Von der Mitte des vorigen Jahrhunderts an bildete sich in England immer mehr eine planmäßige Hundezucht mit Zuchtbuchführung heraus. Mit der Gründung des Kennel Clubs von England im Jahr 1873 wurde auch das Hundestammbuch (Kennel Club Sud book) geschaffen, dessen 1. Band 1874 in Birmingham mit 4027 Hunden, die in vierzig Klassen eingeteilt waren, erschienen. Diese vorbildlichen kynologischen Bemühungen fanden bald Nachahmung in anderen Ländern. In Frankreich, das eine imponierende Tradition an Hundeliteratur aufzuweisen hat, erfolgte 1882 die Gründung der „Societe Centrale Canine pour l´Amelioration des Races de Chiens en France“, der Zentralverband zur Förderung der Hunderassen in Frankreich. Aus der Vereinigung der Liebhaber von französischen Schäferhundrassen um 1896 ging 1909 der Club der Briardfreunde hervor: Le club les Amis du Briard. Seine Gründung eröffnete uns heute die Möglichkeit, eine exakte „Ahnenforschung“ unseres Briards zu betreiben und die Zucht planmäßig und gezielt wahrzunehmen. Verbunden mit diesen Clubgründungen war die Organisation von Hundeausstellungen in kleinerem und größerem Rahmen, meistens im Rahmen von Landwirtschafts- und Jagdausstellungen. Hierbei wurde in der Konkurrenz zunächst die Nützlichkeit betont; erst mit der Zeit gewann die Schönheitskonkurrenz den Platz, den sie heute durchweg einnimmt. In der französischen kynologischen Forschung hat sich Pierre Megnin (1828–1905) große Verdienste erworben. Er begründete bereits 1885 die kynologische Zeitschrift „L`Eleveur“ (Der Züchter). Viele Beschreibungen und Abhandlungen stammen aus seiner Feder.

Im Briard sieht P. Megnin das Ergebnis einer Kreuzung zwischen dem Chien Berger Francais und dem Barbet. Ersterer dürfte mit dem Berger de Beauce identisch sein, letzterer mit dem Jagdpudel. Magnin bezieht sich des öfteren auf Buffon (1707–1788), in denen 36-bändigen Werk „histoire naturelle generale et particuliere“ auch eingehend der Hund behandelt und in Kupferstichen dargestellt wird. Sicher gilt Buffon hinsichtlich seiner Abstammungshypothesen weitgehend als überholt. Aber da bei ihm - im Gegensatz etwa zu Linne - die Naturbeschreibung überwiegt, ist er nach wie vor interessant und von großem Wert für die Kynologie.

Das heutige Erscheinungsbild soll am Urbild des im Hütedienst eingesetzten Briards orientiert sein. Somit dient der Standard auch einer ernsthaften Traditionspflege, die ein ganz besonderes Maß an Interesse und Verständnis fordert. Dies lässt einzelne Beschreibungen des Briards besonders informativ erscheinen. Beispielsweise, dass es im oberen Becken der Garonne einige Briards von kleiner Höhe (50 cm Schulterhöhe) gegeben habe, die natürliche Stehohren hatten (C. Leseble). Und Sedir bezieht sich auf die Beobachtung eines bekannten Richters (M. Sauvage), der in der Brie vielen kleinen und feurigen Briards begegnet sei, mit natürlichen Stehohren und von gelber Farbe. Wie unterschiedlich der Typus der Berger de Brie zur damaligen Zeit war, zeigen viele Abbildungen. Sie bilden ein Stück illustrierter Briardgeschichte: 1863 wird der Briard auf der ersten Hundeausstellung in Frankreich gezeigt.

Quelle: Club für französische Hirtenhunde e.V. · 1. Zuchtbuch von Ruth Oess